Friedensgebet am 30.03.2020 - Martin Becker allein in der Kirche

Menschen auf den Balkonen und Terrassen
warten auf den Klang der Glocken
in der Kirche Stille
ich schreibe die Namen ihre Namen
in die Kirchenbänke
Lebende Tote Jesus Gott Maria Engel
dann legt sich Licht auf das Gotteshaus
es scheint in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht ergriffen
Martin Becker

 

 

 

Wie die Träumenden
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder treffen können!
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder direkt in die Augen schauen können.
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder die Hände geben und einander umarmen können – bestimmt umarme ich vor lauter Freude den einen oder die andere mehr als zuvor.
Das wird schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gebete sprechen und Lieder singen können – gerne auch lauthals: Zu Gott rufen, was Kummer ist und was Dankbarkeit,
und den Mund voll nehmen mit zusammenklingender Freude.
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder auf einen Kaffee zusammenhocken,
miteinander reden, lachen und wo es Not tut auch weinen können.
Das wird schön sein, wenn wir die wärmende Sonne wieder in vollen Zügen genieße
und die Kinder fröhlich auf dem Spielplatz spielen können.
Ja, es wird sogar schön sein,
wieder zur Schule oder zur Arbeit gehen zu dürfen – wer hätte das gedacht?
All das und vieles mehr, was uns bislang vertraut und selbstverständlich war,
werden wir ganz neu genießen, fast wie ein kleines Kind.
Das wird schön sein!
Und bis wir uns wiedersehen halten wir aus und durch.
Bis dahin leben wir in Quarantäne zwischen Hoffen und Bangen
Bis dahin telefonieren wir und chatten wir, halten Abstand, ‚social distance‘.
Unser Schreibtisch heißt jetzt ‚home-office‘ und die Besprechungen halten wir per Video
– geht alles, sogar Gottesdienste und Seelsorge,
und wir beten für die Kranken und die Trauernden,
und zugleich gegen die eigenen Ängste und Sorgen um die Zukunft
und gegen die Verzweiflung.
Und bis wir uns wiedersehen lernen wir kreativ zu sein und viele neue Dinge.
Bis dahin schreiben wir, ganz ‚old fashioned‘, Briefchen an unsere Nachbarn
mit Hilfsangeboten und mit Dank.
Bis dahin singen wir aus den Fenstern und musizieren auf Balkonen.
Bis wir uns wiedersehen lernen wir einander neu kennen
und unsere Familien
und uns selbst.Bis dahin fangen wir vielleicht sogar an, das Leben neu zu sehen:
Was ist wirklich wichtig?

Und bis wir uns wiedersehen fangen wir an zu träumenwie es sein könnte,
nachdem es nun nicht mehr so ist wie es war.
Was wir verändern, neugestalten
und wie wir neu beginnen werden.
Das wird schön sein, neu zu leben
als Träumende im Hier und Jetzt,
behütet, bewahrt und getröstet!

Wenn der Ewige die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Psalm 126,1-2)

 

 

 

Lasset uns beten
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Menschen sind einsam.
Kinder können ihre alten Eltern nicht besuchen.
In den Altenheimen sind sie allein.
Wir können einander nicht die Hand reichen
und uns nicht in den Arm nehmen.
Bitte: Verbinde uns – trotz allem.
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Ärztinnen und Pflegende kämpfen um Menschenleben.
Polizisten sind den ganzen Tag im Einsatz.
Kassiererinnen sitzen an den Kassen.
Und so viele andere sorgen dafür,
daß das Leben funktioniert.
Bitte: Behüte sie und gib ihnen Kraft.
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Die Regierenden müssen Entscheidungen treffen.
Wissenschaftlerinnen forschen
Das ist schwer.
Bitte: Gib ihnen Weisheit.
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Manche Menschen verbreiten auch jetzt wieder
lauter Lügen und lauter Haß.
Bitte: Laß ihr Gewissen erwachen.
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Wir machen uns Sorgen. Wir wissen wenig.
Wir brauchen Deine Nähe.
Bitte: Bleib bei uns.
Gott, nun kommen wir und beten zu Dir.
Wir sagen Dir, was wir Dich bitten.
Wem sollen wir es sonst sagen?
Du hörst uns.
Darauf vertrauen wir, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.
Michael Gressler