Friedensgebet am 23.03.2020 - Martin Becker allein in der Kirche

Gebetszelte
die Wärme
schenken
auf dem Altar bei Jesus

 

Beatrice von Weizäcker:
Ich las den Bericht eines jungen Arztes aus der Lombardei. Und noch immer kommen mir die Tränen. Er arbeitet in Bergamo.

 

"Niemals, auch nicht in dunkelsten Albträumen, hätte ich mir vorgestellt, zu erleben, was hier in unserem Krankenhaus seit drei Wochen vor sich geht. Der Fluss dieses Albtraums wird immer nur größer. Zuerst kamen einige Infizierte, dann Dutzende, dann Hunderte, und jetzt sind wir nicht mehr zuerst Ärzte, nein, wir sind zu Sortierern am Band geworden. Wir entscheiden, wer leben und wer nach Hause geschickt werden soll, um zu sterben. (…) Vor neun Tagen kam ein 75 Jahre alter Priester zu uns. Er war ein freundlicher Mann, hatte ernsthafte Atemprobleme, brachte aber eine Bibel mit. Es beeindruckte uns, dass er sie den anderen vorlas und den Sterbenden die Hand hielt. Wir waren alle zu müde, entmutigt, psychisch und physisch fertig, um ihm zuzuhören. Jetzt aber müssen wir es zugeben: Wir Menschen sind an unsere Grenzen gekommen. Wir sind erschöpft, wir haben zwei Kollegen, die gestorben sind, andere von uns wurden infiziert. Wir müssen erkennen, dass wir Gott brauchen. Wir bitten ihn nun um Hilfe, wenn wir ein paar freie Minuten haben. Wir reden miteinander und können es noch nicht glauben, dass wir als Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach Frieden sind. Dass wir den Herrn bitten, uns zu helfen, uns Kraft zu schenken, damit wir uns um die Kranken kümmern. Gestern ist der 75-jährige Priester gestorben."

 

Seither will ich beten. Einfach nur beten.
 Für den Arzt aus der Lombardei. Für alle, die in Krankenhäusern arbeiten. Für die, die nicht Abschied nehmen dürfen. Für die Traurigen. Und die Einsamen.
Ich will beten und Gott danken für das, was möglich ist.
Dass ich in die Kirche gehen kann. Um dort eine Kerze anzuzünden.
Jeden Tag
Ich will Hoffnung hamstern!