Friedensgebet am 20.04.2020 - Martin Becker allein in der Kirche

Der Wartestein

wartet auf alles:
Wunder, Chance, Hauptgewinn
oder Mann oder Frau oder nur
auf acht Uhr.
Gib Auftrag! Er wartet, und du,
du kannst leben inzwischen!

 

Liebe Friedensmenschen.
Euch allen einen gesegneten Sonntag.
Morgen werde ich wieder alleine in der Kirche sein und Eure Gebete von 19 bis 19.20 Uhr entgegen nehmen. Ich freue mich. Danke für Eure Friedensgebetstreue.

 

Wartesteine liegen vor der Kirchentüre zum mitnehmen!

 

Leere

 

Die Steine weinen.
Sie vermissen das Vibrieren der Instrumente,

das Zusammenspiel von Bass und Alt, Tenor und Sopran,

den Klang, den sie halten, bis er verschwebt.

Sie weinen und erleben ihre eigene Passion.

Wem sollen sie jetzt Raum sein?

Sie vermissen die, deren Stimme sie erfüllt,

die, deren Gebete sie umfangen,

die sich an sie lehnen und ausruhen.

Sie vermissen das Murmeln des Vater Unser

und die hellen Klänge der Worte,

die sich Sonntag um Sonntag

in sie eingefurcht haben

seit Jahrhunderten.

Die Steine weinen und warten.

Sie wahren das uralte Schweigen.

Sie hüten das Geheimnis:

Das vom leeren Grab.

Das tröstet sie.

Der, den du suchst, ist nicht hier.

Und die Leere, die sie beweinen

ist nichts als des Neuen Anfang.

 

Gott, an diesem Abend bitten wir dich: Bleibe du uns nah, auch wenn wir uns weiterhin voneinander fernhal-ten müssen. Bleib uns nah, auch im Zweifel. Stille. Für die Traurigen beten wir um Zeichen, die auch auf Ab-stand Nähe schenken und Trost. Für die Fröhlichen be-ten wir und danken für alle Osterstimmung in diesenTagen, für allen Humor. Stille. Wir beten für alle, die Leben schützen und retten. Für den Frieden und das Recht. Stille. Für die schaukelnden Boote auf offenen Meeren und all die gebeugten Menschen darin. Führe sie an rettende Ufer. Stille. Für die Welt, die nicht von dieser Welt ist, kein Sterbenswörtchen mehr davon, nur Lebensworte. Stille