Friedensgebet am 16.03.2020 - Martin Becker allein in der Kirche

Kirche knospt
während ich all-ein in der Kirche bin
verteilt sich das Altarlicht
zünden an die Friedensgebetsbesucher*innen
auf dem Couch- und Esszimmertisch Kerzen
öffnen das Küchenfenster
und treten auf den Balkon
um das Vaterunserläuten zu hören
und mitzubeten
die Lampe des ewigen
ist noch nicht erlöschen
Während ich die Menschen auf
meiner Kirchgänger*innenliste anrufe
blüht der Goldregen
erbebt sich das geknickte Rohr
empfangen Ohren den Segen
strahlen Gesichter
wird Verbundenheit spürbar
entflammt die Glut unter der Asche
und jemand verteilt
Lichter und setzt sie auf Straßenschilder
Martin Becker

 

Du Gott
Ich bin ganz unruhig in mir drinnen
manchmal ist es sogar Angst
Manchmal kann ich darüber lachen,
so einfach weglachen die Angst
Ich weiss nicht einmal ob meine Angst berechtigt ist
Viele Menschen werden krank
Die Krankheit breitet sich auch
Ich mache mir Sorgen meine Lieben
Ich mache mir Sorgen um Freunde und Eltern
Und auch ein bisschen um mich
Ich finde es einfach schlimm
Wieviele Menschen in der ganzen Welt ihre Lieben an diese Krankheit verlieren
Wie wird da noch weiter gehen
Ich wünsche mir dass niemand mehr stirbt
Ich wünsche mir dass wir eine Medizin dagegen finden
Ich wünsche mir, dass wir das alles schaffen
Ich möchte wieder entspannter in den Tag gehen
Du bist hier
Du bist hier
Amen
Bettina Schlauraff