Imam

Welzheim (mb).

Der neue Imam der Welzheimer Bilal-i  Habesi Moschee wurde zusammen mit seiner Familie im Friedensgebet durch den geschäftsführenden Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Welzheim begrüßt.

Der türkisch-islamische Kulturverein Welzheim hat seit dem Sommer einen neuen Imam. Rasit Kiymaz ist 37 Jahre und mit der 33jährigen Nürgül verheiratet. Sie haben zwei Kinder. Den zehn Jahre alten Enes, der in Welzheim zur Schule geht und den 16 Monate jungen Eymen, Die Familie kommt aus der türkischen Stadt Kütahya die bekannt ist für ihre farbigen Tonwaren und prächtigen Kacheln. Die Stadt ist seit ca. 5.000 Jahren bewohnt und war einst Bestandteil des römischen Reiches bzw. des christlichen Byzanz.

Familie Kiymaz ist erstmals in Deutschland und freut sich auf die Zeit in Welzheim. Vergangenen Samstag unternahmen sie bereits zusammen mit dem Vorbereitungskreis des interreligiösen Dialogs einen Tagesausflug auf die Schwäbische Alb. Auf dem Programm stand eine Fahrt über die Reutlinger Alb zum herrlich gelegenen Schloss Lichtenstein und zur altehrwürdigen St. Martinskirche in Pfullingen. Auf einem Stifterbild in der Martinskirche ist die völlig verschleierte Frau des Bürgermeisters vor 400 Jahren zu sehen. Diese Darstellung weckte das Interesse der Muslimas. Ebenso die Jonageschichte auf dem Taufstein, die auch im Koran enthalten ist. Danach ging es zum Mittagessen in das Landheim Buttenhausen. Eine diakonische Einrichtung der evangelischen Kirche. Hier leben und arbeiten Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung, für alte Menschen  Die Weberei konnte bestaunt  und im Lokal das Mittagessen zu sich genommen werden. Es gab Raum für viele Gespräche wie z.B. dieses: Eine Muslima erzählte, dass sie ihr kleines Kind fragte, warum sie türkisch spreche, da sie doch in Deutschland geboren sei. Zusätzlich wurde die Gedenkstätte Grafeneck angeschaut. Die Muslima waren darüber, dass hier zur Zeit des Nazi-Terrors über 10.000 Behinderte getötet wurden, so sehr betroffen, dass sie in Tränen ausbrachen. Der neue Imam und der Vorbereitungskreis begegneten so auch der dunklen Seite der deutschen Geschichte und erlebten, wie ernsthaft damit umgegangen wird. Es gibt wohl kein Land, das so mit seinen negativen Aspekten umgeht wie Deutschland und dadurch zu Toleranz mahnt. Interessant der abschießende Kommentar zu diesem Tag vom örtlichen Reiseführer: "Ich finde das Welzheimer Modell der "interreligiösen Ausflüge" sehr anregend und bereichernd und zwar in
zweierlei Hinsicht: Erstens ist es schön, einander etwas von diesem
Land und seiner kulturellen Vielfalt zu zeigen und zweitens sind die
auftauchenden Fragen und sich daraus ergebenden Gespräche immer
fruchtbar und gut. Wodurch wollte oder sollte man denn so was
ersetzen? Es ist allemal besser gemeinsam etwas zu "er-fahren" als
bloß darüber zu reden!"

Am Montag besuchte Imam Kiymaz mit seiner Frau und dem Vorstand das ökumenische Friedensgebet in der St.-Gallus-Kirche um ein Zeichen der Freundschaft und des Dialogs zu setzten. Auf Anregung von Prädikant Martin Becker fand dieses Treffen statt, das mit einer kurzen Kirchenführung und Orgelbesichtigung unter fachkundiger Anleitung von Organistin Dorothee Kimmerle stattfand. Der geschäftsführende Pfarrer Markus Frasch sprach ein Willkommen aus und überreicht als Willkommensgeschenk ein Evangelisches Gesangbuch und ein Glas Welzheimer Kirchen-Honig Nach den freundlichen Worten leitete Prädikant Martin Becker zum liturgischen Teil des Friedensgebet über. Im Mittelpunkt der Ansprache und des Kyriegebets stand Gottes heiliger Erzengel Michael, der auch im Islam gewürdigt wird. Zur meditativen Betrachtung wurde das Kirchenlied von Gerhard Teerstegen „Gott ist gegenwärtig" verlesen. In den Fürbitten wurden um Gottes Beistand für die Menschen in Welzheim gebeten. Seit fast 10 Jahren ist es gute Tradition am letzten Montag im Monat nach dem Friedensgebet in den Grünen Baum in einer Gemeinschaft von um die 25 Personen zum Essen zu gehen. Erstmals gingen die muslimischen Besucher und Besucherinnen als Gäste mit zu diesem Stammtisch. Ein besonderer Wunsch der Friedensgebetsfrauen. Sie waren von Besuch in der Moschee und dem anschließenden Buffet zum 11. September und der gemeinsamen offenen Atmosphäre so begeistert, dass Geld gesammelt wurde, um die muslimischen Freunde und Freundinnen im Gegenzug einzuladen. Die Frauen von Moschee und Friedensgebet wünschen mehr Kontakt zueinander. Eine Prämiere für Welzheim. Die Wirtsleute hatten sich extra auf die muslimischen Gäste eingestellt und es gab Fisch, Käsebrot, Kässpätzle und Salat bei fröhlicher Stimmung, langen Gesprächen und guter Laune.