Projekt Friedensgebet, Dialog und Kino
Welzheim (mb).
Das Projekt Kino, Friedensgebet und interreligiöser Dialog fand statt.
Zum zweiten Mal wurde nach dem Friedensgebet in der St.-Gallus-Kirche im Filmcasino Welzheim ein besonders ausgezeichneter Film gezeigt. An beiden Angeboten nahmen auch Vertreterinnen der Welzheimer für den interreligiösen Dialog teil, die auf herzlichste in der St.-Gallus-Kirche begrüßt wurden und am Friedensgebet als Gäste teilnahmen.
Das Friedensgebet bereitete auf den Film „Von Göttern und Menschen" vor. Zu Beginn gedachte die Gemeinschaft der verstorbenen Friedensgebetsbesucherin Frau Hanna Riedel. Auf ihren Platz in der Kirchenbank wurde eine Kerze gestellt, die dann während des Kerzengangs der Friedensgebetsgemeinde in die Mitte des Kreises gestellt wurde als Zeichen, dass die Verstorbenen zu unserem Leben gehören .
Die Gebete, Gedanken und Lieder kreisten um das Zusammenleben von Menschen aus den christlichen Kirchen und den Moscheen. Der Film „Von Menschen und Göttern" stellt, aufgrund einer wahren Begebenheit, eindrücklich dar, wie christliche Mönche mit den Männern und Frauen eines muslimischen Dorfes, in mitten von Terror, Gewalt und Tod leben. Selbst als die Mönche bedroht werden, bleiben sie bei ihren muslimischen Freundinnen und Freunden und lassen durch nichts und niemand ihre Freundschaft zerstören. Eine muslimische Dorfbewohnerinnen meint zu den Mönchen: „Ihr dürft uns nicht verlassen. Ihr seid der Baum und wir die Vögel die darin leben."
Die christlichen Mönche werden von Extremisten als Geißeln genommen und getötet. Bruder Christian hatte zuvor einen bewegenden Brief geschrieben, der ein einmaliges Zeugnis von Nächsten- und Feindesliebe darstellt. „Wenn ich eines Tages - und das könnte schon heute sein - Opfer des Terrorismus werde, der, wie es scheint, sich auch gegen alle hier lebenden Ausländer richten will, möchte ich, dass meine Gemeinde, meine Kirche, meine Familie sich immer vor Augen halten, dass ich mein Leben gegeben habe, Gott und diesem (muslimischen) Land. Sie mögen erkennen, dass dieser brutale Abschied dem Alleinigen Herrn über alles Leben nicht fremd wäre. Verstehen, diesen Tod in einer Reihe mit so vielen anderen genauso gewaltsamen Toden zu sehen, denen gegenüber man aber aufgrund ihrer Anonymität gleichgültig bleibt. Ich habe lange genug gelebt, um zu wissen, dass auch ich ein Komplize des Bösen bin, das sich, wie mir scheint, leider der Welt bemächtigt, und auch dieses Bösen, das mich blindlings treffen könnte. Ich kann mir einen solchen Tod nicht wünschen. Ich sehe allerdings auch nicht, wie ich mich darüber freuen könnte, dass dieses (muslimische) Volk, das ich liebe, undifferenziert des Mordes an mir beschuldigt wird. Ich weiß von der Verachtung, mit der man dieses Volk pauschal behandelt. Ich weiß auch von den Karikaturen des Islam, zu denen ein bestimmter Islamismus verleitet. Dieses Land und der Islam stellen für mich etwas Anderes dar; sie sind der Leib und die Seele. Mein Tod wird natürlich denen scheinbar Recht geben, die mich von vorn herein als naiv und idealistisch abgetan haben, aber sie sollen wissen, dass ich endlich von meiner quälendsten Neugierde befreit sein werde. Und dass ich, wenn Gott es will, tief in die Augen des Vaters blicken werde, um mit Ihm gemeinsam seine Kinder des Islam so zu betrachten, wie Er sie sieht. ... In dieses mein Dankeschön, mit dem fortan alles über mein Leben gesagt ist, schließe ich euch natürlich mit ein, Freunde vergangener Tage und Freunde von heute. Und auch dich, den Freund der letzten Minute, der du nicht gewusst haben wirst, was du tust. Ja, auch dir wünsche ich den göttlichen Dank und seine Herrlichkeit, da du mich zu Gott geführt hast. „A-DIEU." Und möge es uns vergönnt sein, uns wieder zu begegnen, glückliche Schächer, im Paradies, wenn Gott, der unser beider
Vater ist, es will. Amen. Inch'Allah."
Nach der geistlichen Hinführung fand die Vorführung im Filmcasino Welzheim statt. Sowohl das Friedensgebet, als auch das Kino waren außerordentlich gut besucht. Mehr noch wie beim ersten Projekt Friedensgebet und Kino. Das Filmcasino war bis auf den letzten Platz besetzt und die Betreiber scherzten bereits, dass es wohl wegen Überfüllung erstmals geschlossen werden müsse.
In bewegenden Bildern konnte das Leben der Menschen aus einem Kloster und einem muslimischen Dorf angeschaut werden. Oftmals herrschte tiefes Schweigen im Kinosaal und viele Menschen gingen innerlich bewegt und nachdenklich nach Hause.
Das Friedensgebet wächst mittlerweile weiter und erreicht eine bedeutende Größe für das friedliche Zusammenleben in Welzheim. Dazu kommen auch Menschen regelmäßig montags aus der ganzen Umgebung.
Geplant ist, dass das Projekt Friedensgebet, interreligiöser Dialog und Kino nach den Sommerferien fortgesetzt wird. Aus der Bevölkerung kamen so viele Filmvorschläge, dass daran gedacht wird, an vier Montagen hintereinander während der interkulturellen Woche nach dem Friedensgebet Vorführungen anzubieten. Die Filmwünsche: „Pilgern auf französisch" - ein humorvoller Film über eine Pilgerfahrt von Muslimen und Christen auf dem Jakobsweg. „Das Herz von Jenin" - ein muslimischer Vater erlaubt, dass die Organe seines von Israelis getöteten Kindes an jüdische Kinder weiter gegeben wird. „Hanami Kirschblüten" - ein Deutscher verarbeitet den Tod seiner Frau im schintoistischen Japan. „Schokolade" - ein humorvoller Film über das Zusammenleben von Einheimischen und Ausländern in einem französischen Dorf nach dem Krieg.