Ein ganzes Konzert lang ausschließlich vierhändige  - und vierfüßige - Orgelmusik von selten gehörten Komponisten, die man zumeist nicht kennen muss und auch kaum kennt - und dabei abwechslungsreich, ansprechend, reizvoll - das gab es zum Abschluss des Gustav-Adolf-Festes am Sonntagabend in der Galluskirche.

 

Christine Neubert ist  Kantorin in Fogarasch (Siebenbürgen), und Siebenbürgen, im heutigen Rumänien gelegen, ist Partnerregion des diesjährigen Gustav-Adolf-Festes im Kirchenbezirk Schorndorf. Sie musizierte zusammen mit der Welzheimer Kantorin Ulrike Bantleon-Bader meist Werke der Romantik, dazu eines, das man der Klassik zurechnen kann, sowie zwei Werke der Gegenwart. Das Übergewicht romantischer Werke kommt daher, dass im 19. Jahrhundert das vierhändige Orgelspiel - zusammen mit dem vierhändigen Klavierspiel - erst richtig populär wurde. Dabei ergab sich die Gelegenheit, die klangliche Wirkung der Orgel zu steigern und die Möglichkeiten der Stimmführung zu erweitern

Das Programm begann mit der mächtigen,  klangprächtigen Introduktion der Sonate g-Moll des schlesischen Komponisten Leberecht Baumert (1833-1904). Wie in einer barocken Ouvertüre folgte ein leichtfüßig dahineilendes Allegro. Der zweite Satz war eine schlichte Melodie mit einer bewegten Begleitung, eine Art Lied ohne Worte. Den Schlusssatz bildete eine Fuge über den Choral „Lobet den Herren".

„Heimat und Fremde" war ein Aspekt des Gustav-Adolf-Festes, den Pfarrer Markus Eckert betonte und auch auf die beiden Künstlerinnen bezog. Aber auch die beiden Apostel Petrus und Paulus könnten für diese beiden Schwerpunkte stehen. Mit der Ansprache des Petrus aus der Apostelgeschichte Kapitel 10 und einem Zitat aus dem Epheserbrief des Paulus verdeutlichte er diesen Gesichtspunkt. Anschließend erklang das „Peter - und - Paul - Impromptu" des zeitgenössischen Komponisten Bernhard Krol. Er hat dafür die gregorianische Choralmelodie des Introitus (Eingangsliedes) zum Fest Peter und Paul zugrundegelegt und auf sehr ansprechende Weise rhythmisch und

 harmonisch verfremdet oder im Klangcharakter variiert. Zwischen den von den Zuhörern gesungenen Choralstrophen von „Du meine Seele singe" wurden sehr schöne und interessante, kunstvolle und doch einfach verständliche   Variationen von Lothar Graap (geb. 1933) vorgetragen. Sie waren - eine besondere Rarität - ausschließlich für Orgelpedal für vier Füße. Sehr weich, wohlklingend, romantisch das Adagio von Gustav Merkel (1827-1885) über den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte". Eine  Choralfantasie über „Ein feste Burg..." von Wilhelm Rudnick (1850-1927) folgte: strahlend, wirkungsvoll, kernig mit Zungen registriert das Maestoso, zart und weich schmeichelte sich  der Mittelsatz ins Ohr der Zuhörer, frisch und energisch kam der letzte Satz daher.

Zum Vaterunser der Gemeinde erklang fein und zurückhaltend die gleichnamige Choralbearbeitung  von Christian Gottlob Höppner (1799-1859).  Sowohl mit der Tradition der Barockzeit als auch mit der Tonsprache der Klassik vertraut war der Wiener Komponist und Zeitgenosse Haydns,  Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), was auch in „Präludium und Fuge C-Dur" zu hören war, einem sehr wirkungsvollen und ansprechenden Werk. Beschwingt - besser gesagt „beswingt" endete das Programm mit der flotten und rhythmisch betonten Choralbearbeitung von „Komm Herr segne uns, dass wir uns nicht trennen ..." des fränkischen Organisten und Komponisten Jörg Fuhr, die bisweilen an heitere, ja übermütige Jahrmarktsmusik erinnerte.

Den beiden Künstlerinnen war es gelungen, ein sehr schönes und ansprechendes Konzert zu gestalten und dabei besonders die romantischen Kompositionen weniger bekannter Komponisten in bestem Licht erscheinen zu lassen. Unterstützt wurden sie von Patricia Vogel, die wiederum unauffällig und verlässlich die Registrierung besorgte. Das Konzert hätte           durchaus auch einige Zuhörer zusätzlich vertragen können.

 

Christine Neubert ist in der Nähe von Chemnitz geboren und hat in Dresden Kirchenmusik studiert.  Seit 2000 ist sie Kantorin im siebenbürgischen Fogarasch, ziemlich genau in der Mitte zwischen Hermannstadt (Sibiu) und Kronstadt (Brasov) gelegen. Neben dem Organistendienst in der Kirchengemeinde mit rund 325 Seelen leitet sie den Kirchenchor und die Jugendkantorei mit insgesamt 120 Kindern und Jugendlichen in mehreren Gruppen. Daneben betreut sie Klavier- und Flötenschüler und ist in der Gemeindearbeit engagiert: Sie  leitet Bibelstunden und Handarbeitskreise. Kantorin Ulrike Bantleon-Bader hat sie bei Studien an der Musikhochschule in Trossingen kennen gelernt, wobei so der Kontakt zu Welzheim zustande kam.

Bericht von Wolfgang Hänle mit freundlicher Genehmigung