Kirchweg/weih

Welzheim (mb).

Die evangelische Kirchengemeinde Welzheim hat das Kirchweihfest begangen.

In aller Frühe machten sich Gemeindeglieder aus Welzheim mit dem Bus nach Wahlenheim auf um gemeinsam den historischen Kirchweg zu gehen.

Heute eine eher nostalgische Wanderung, doch bis zum Bau der Hellershofer Kirche 1925 gingen die Wahlenheimer Gläubigen jeden Sonntag über Stock und Stein, zu jeder Jahreszeit, ihren 8 km langen Kirchweg nach Welzheim um dort den Gottesdienst in der St.-Gallus-Kirche zu besuchen.

Der Kirchweg ist seit 11 Jahren wieder zugänglich. Damals feierte die St.-Gallus-Kirche ihr 500jähriges Jubiläum und den alten Welzheimer/innen war es ein großes Anliegen diesen Weg wieder zu eröffnen.

Wer verstehen will warum, muss ihn einfach einmal gegangen sein. Der Kirchweg führt durch eine reizvolle Landschaft, über moosbewachsene Pfade, helle Lichtungen und Stellen mit einem sagenhaften Rundblick, so die herbstlichen Nebel es dieses Jahr zuließen. Es gibt sogar Gerüchte, dass man / frau an zwei Stellen des Kirchwegs über die schwäbische Alb hinwegschauen und die Alpen .sehen kann. Oder sind es Luftspiegelungen oder Wolkenberge die den alpinen Bergzügen täuschend ähnlich sehen?

Auf jeden Fall hat dieser Weg eine Ausstrahlung. Jede Gruppe kann dies, wenn innerlich offen, spüren. Die Kirchwegwandernden kommen sich in Gesprächen näher, tauschen Lebensgeschichten aus. Die älteren Leute erzählen aus der Vergangenheit und lassen die alten Geschichten zwischen Wahlenheim und Welzheim aufleben. Irgendwie entsteht eine Gemeinschaft für diesen Weg, die ermutigt und stärkt.

Wie jedes Jahr beeindruckte Menschen, besonders die, die das erste Mal mitwanderten, das die alten Wahlenheimer/innen ihre Toten auf diesem Weg zum Friedhof nach Welzheim trugen oder auf einem Karren dorthin brachten. Genau auf dem Weg, den wir heute gingen. Was für eine Trauerarbeit angesichts der heutigen Verdrängung von Tod und Vergänglichkeit. Im Winter mussten die Toten zeitweise sogar gesammelt und dann gemeinsam auf den Welzheimer Kirchhof überführt werden.

Der dunkle Wald kann aber auch an den irischen Mönch und Missionar erinnern, der durch die germanischen Wälder zog um den christlichen Glaube weiter zu geben. Einer Legende nach begegnete Gallus mitten im Wald ein wilder Bär. Gallus bannte durch die Kraft seines Glaubens das unheimliche Tier und der Bär diente ihm bei der Beschaffung von Brennholz.

Der Kirchweg führt über den Hagerwaldsee, Burgholz und Eberhardsweiler direkt zur St.-Gallus-Kirche. Aus katholischer Zeit stammt der Name St.-Gallus für das Welzheimer Gotteshaus. Der St.-Gallus-Tag ist nach dem katholischen Heiligenkalender der 16. Oktober und die evangelische Kirchengemeinde feiert deshalb immer am Sonntag nach dem St.-Gallus-Tag ihr Kirchweihfest und gedenkt an die Einweihung ihrer Kirche vor über 500 Jahren.

Die Wanderer und Wanderinnen wurden mit Kaffee und Kirchweihkuchen, eine Art Schmandkuchen, im Kirchkaffeeraum von St.-Gallus empfangen.

Dann begann der festliche Gottesdienst an dem der 80ziger Jahrgang teilnahm. Der Kinderchor Galliculi sang unter anderem das St.-Gallus-Lied indem auch etwas zu der Bärenlegende von Gallus enthalten ist.

In seiner Predigt sprach Pfarrer Markus Frasch über 1. Petrus 2, 4+5. Dort heißt es, dass die Kirche aus lebendigen Steinen gebaut werden soll. Nicht das Kirchengebäude steht in der Bibel im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft derer, die sich im Glauben an Jesus Christus versammeln.