Isenheim
Im ökumenischen Montags-Friedensgebet sprach Pfarrer i. R.
Hans Georg Waller über das Meisterwerk von Matthias Grünwald, den Isenheimer
Altar.
Während die Sonne langsam unterging und dem Inneren der St.-Gallus-Kirche ein festliches Gewand verlieh, fand das ökumenische Friedensgebet statt. Durch die Liturgie führte der A.C.K.-Beauftragte für das Friedensgebet Martin Becker und Frau Gertrud Kimmerle begleitete die Gesänge an der Orgel. Pfarrer i. R. Hans Georg Waller beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit der geistlichen Botschaft eines Kunstwerkes von Matthias Grünewald, dem Isenheimer Altar im Unterlindenmuseum Colmar. Immer wieder ist er als Referent auf Seminaren in Klöstern und Tagungsstätten aller großen Konfessionen zu Gast und verbindet die Botschaft dieser mittelalterlichen Kunst mit dem Suchen und Finden des modernen Menschen nach Sinn und Heilung, insbesondere von Suchterkrankungen.
Der Isenheimer Altar wurde nicht zur religiösen Erbauung in Auftrag gegeben, sondern zur geistigen Betrachtung und Gottesschau. Im Antoniterkloster zu Isenheim wurden die Kranken vor den Altar gelegt um ihnen innere Heilung durch die Meditation des Leidens und Auferstehens des Christus zu schenken. Die meisten Kranken trugen, so Waller, die Geschwüre einer Seuche am Leib, mit denen der gekreuzigte Christus übersät ist.
Beeindruckend spannte Pfarrer i. R. Waller den Bogen von der Kreuzigung über die verschiedenen Stufen der Trauer zu dem Auferstehungsbild, das eigentlich drei biblische Geschichten vereint: die Auferstehung, die Himmelfahrt und die Verklärung Jesu. Dazu zeigte er große Lichtbilder, die den Raum erfüllten.
Waller verwies auf die meisterhafte und einmalige Darstellung des auferstandenen Christus. Dieser Christus hat das Leid und den Tod überwunden und präsentiert segnend seine Hände, die von den Wunden noch gezeichnet sind, doch zu strahlen und leuchten beginnen.
„Während meiner Zeit als Pfarrer im Strafvollzug stand ich einmal vor dem Isenheimer Altar in Colmar", erzählte Waller, „fasziniert versank ich das Bild des Auferstandenen und mir wurde bewußt, wenn ich mich mit dieser Kraft verbinde, werde ich alles im Leben bewältigen."
Waller verwies auch auf die besondere Fähigkeit des Meister Grünewalds, die Einzigartigkeit der christlichen Botschaft in diesem Werk zum Ausdruck zu bringen: „Der Christus, der in den tiefsten Punkt der Erde sinkt, stirbt und verwandelt aufersteht".
Sichtlich bewegt gingen den Friedensgebetsbesucher/innen an diesem Abend nach Hause.
Aufgrund der vielen Nachfragen nach diesem Friedensgebet bot Pfarrer i. R. Hans Georg Waller an, mit Interessierten einen Samstagnachmittag, das Werk Grünewalds zusammen zu betrachten und mit dem eigenen Leben, Suchen und Fragen in Verbindung zu setzen.