Gedenken

 

Gedenken

Welzheim (ek).

Das ökumenische Montags-Friedensgebet hat dem Amoklauf in Winnenden und Waiblingen gedacht.

„Nach den Geschehen an der Albertville-Schule spürte ich in mir, dass das Friedensgebet sein Programm ändern, die Kirche für die Menschen offen und ein Kodolenzbuch zum Ausdrücken der Gefühle ausliegen muss", so der A.C.K-Beauftragte für das Friedensgebet, „Kirche muss spürbar, Nahe sein in solchen Momenten". Pfarrer Markus Eckert und Pfarrer Jephrin Monis meldeten sich daraufhin spontan bei Martin Becker und gemeinsam gestalteten sie ein würdiges Gedenken in der St. Gallus-Kirche.

„Es war ein ganz besonderer Nachmittag und Abend für. Eigentlich das bewegendste, das ich seither in Welzheim erlebte." Über Nacht hatten Menschen brennende Kerzen vor das Portal von St.-Gallus gestellt und seit dem Nachmittag standen die Kirchentüren der St.-Gallus-Kirche offen. Der Altar und die Osterkerze mit schwarzen Tüchern verhüllt. Ein Kondolenzbuch lag auf und es kamen viele Menschen um in der Ruhe des Gotteshauses Trost zu suchen und ihr Mitgefühl in Worte zu fassen. Ergreifendes wurde zu Papier gebracht, Gedichte selbst verfasste und Gedanken fließen lassen: „Du wirst uns fehlen, Warum, ich bin fassungslos." Je mehr es Abend wurde desto mehr leuchteten die Fenster der Kirche und die Kerzen tauchten das Gotteshaus in goldenes Licht.

Dann füllte sich die St.-Gallus-Kirche immer mehr und das Friedensgebet begann. Fast 400 Menschen aus allen Altergruppen, viele Schülerinnen und Schüler, aus dem ganzen Welzheimer Wald, von Rudersberg, aus allen Welzheimer Kirchen, Gemeinschaften, vom Deutschen Roten Kreuz, Schulen, Vereinen und selbst der Moschee versammelten sich zum Friedensgebet, durch das Martin Becker, Pfarrer Eckert und Jephrin Monis führten. Die drei zogen mit einer Kerzen zum Gedenken an die Toten ein und die Gemeide sang einen Choral in dem die Worten stehen: „ Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein". Menschen weinten und umarmten sich. Rührende Szenen spielten sich ab und fast endlos die Schlange vor dem Kondolenzbuch.

Martin Becker begrüßte die große Friedensgebetsgemeinde mit einem Text von Phil Bosmans: Mein letztes Gebet „Wenn ich müde bin vom Weg zu den Sternen, um den Menschen in der Nacht ein bisschen Licht zu bringe, dann setze ich mich in die Stille. Gott, mein Gott, ich glaube an Dich. So wie der Blinde an die Sonne glaube, nicht weil er sie sieht, sondern weil er sie spürt." Dann sprach er ein Gebet zum Gedenken an alle Toten, Verletzten und Betroffenen.

Pfarrer Jephrin Monis und Martin Becker sprachen das „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", den Psalm 22 und die Seligpreisungen Jesu im Wechsel mit der Gemeinde. Dazwischen folgten meditative Gesänge. An der Orgel spielte Frau Dorothea Kimmerle einfühlsam und sanft.

Pfarrer Eckert sprach in seinen Gedanken über das Geborgensein in Gottes Hand und dass niemand auch in die Getöteten in Winnenden und Wendlingen alleine gestorben sind. Dann folgte ein sehr ausdruckstarker Moment. Alle Anwesenden konnten vom Taufstein eine Kerze nehmen und diese an der Osterkerze schweigend entzünden. Ein Lichtermeer der Anteilnahme entstand. Nach einem Abendlied sprach Pfarrer Eckert ein bewegendes Gebet für Tim, den Amokläufer, und seine Familie, das mit dem Vaterunser schloss. Pfarrer Jephrin Monis spendete nach einem Schlusslied den Segen und die Gemeinde zog schweigend aus der Kirche. Noch lange blieb St.-Gallus an diesem Abend geöffnet, bis die Trauernden sich in das Kondolenzbuch eingetragen hatten. Jeweils eine Kopie des Kondolenzbuches ging am nächsten Tag per Post an das Rathaus in Winnenden und in Wendlingen. Nahesein wurde so an gelebt