Friedensgebet und Kino

Welzheim (mb).

Das ökumenische Montags-Friedensgebet in der St.-Gallus-Kirche hat das Jahr 2011 mit einem neuen Projekt „Friedensgebet und Kino" gestartet.

An zwei Montagen hintereinander luden die Glocken der St.-Gallus-Kirche zum Friedensgebet ein. Danach bestand die Möglichkeit gemeinsam das Filmcasino Welzheim zu besuchen.

Im Mittelpunkt des neuen Projekts „Friedensgebet und Kino" befand sich das Thema Tod und Sterben. Mit Gebeten, Gesängen und einer Besinnung stimmten sich die Teilnehmenden zuerst in der Kirche auf das schwierige und in unserer Gesellschaft oftmals verdrängte Thema ein.

Am ersten Abend erinnerte Thomas Becker in seiner Besinnung an die Angst vor dem Sterben, sowohl  dem Sterben anderer wie meinem eigenen Sterben und fragte: „Will ich es wissen, wenn es auf mich zukommt? „ Seine Antwort: „Ja  Ich will mir die Chance geben und die Chance bekommen bewusst und in aller Offenheit im Vertrauen mutig das Anzunehmen, das uns Allen unausweichlich bevorsteht.

Ich wünsche mir Menschen um mich, wie Oma Rosa in der Geschichte, die mutig, ermutigend mit mir meine letzten Schritte gehen."

Keine Frage bleibt offen, kein Wort ungesprochen, miteinander lachen, keine Träne ungeweint, Alles ist gut - dann, ... kann ich gehen. Gemeinseim schaute das Friedensgebet dann die Verfilmung des Romans „„Oskar und die Dame in Rosa" an. Die Verfilmung bestach durch den Drahtseilakt zwischen Tragödie und  Komödie. Vor allem überzeugte das zurückgenommene Spiel des kleinen Amir sowie die schauspielerische Leistung Michèle Laroques, deren Dame in Rosa sich von einer zickigen, mit sich selbst unzufriedenen Egoistin zur mitfühlenden Ersatzmutter glaubwürdig wandelte.
Dem Film merkte man als Zuschauender das Herzblut des Autors und Regisseurs an. Wie Oskar erlebte er als kleiner Junge eine schwere Krankheit und vor allem das Schweigen der Erwachsenen. Auch er glaubte nach dem Beispiel seiner Eltern nicht an Gott, bis er sich als Erwachsener dem Christentum zuwandte. So erstaunte es nicht, dass die Dame in Rose Oskar nicht nur Fantasie und Liebe, sondern auch das Beten und den Glauben nahebrachte. Besonders ergreifend drückte es der Film in einer Szene aus, als die Dame den Jungen in eine Kirche brachte. Auf den Einwand Oskars, ob Gott das Leid verhindern könnte, antwortete sie, das könne niemand: „Weder du, noch ich." Dann aber ließ sie Oskar auf den Gekreuzigten schauen, und stellte die schlichte Frage: „Wem fühlst Du Dich näher: Einem Gott, der leidet oder einem, der nichts empfindet?"

Am nächsten Montag ging es dann weiter. „Schön, wohlhabend, schillernd, reiselustig, so muss man/frau heute sein um anzukommen. Doch was, wenn das alles einbricht?" begann Martin Becker seine Ansprache. Er ging auf das Leben des bekannten SPIEGEL-Mitarbeiters und Asien-Korrespondenten Tiziano Terzani ein, der unheilbar an Krebs erkrankte und seine Erfahrungen in seinem Buch „Noch eine Runde auf dem Karussell" verarbeitete. Die Lehre Terzanis: Liebe dein Schicksal. Liebe es. Liebe a-more bedeutet für den Italiener das was nicht stirbt.

Am zweiten Montag gingen die Besucherinnen und Besucher des Friedensgebets in das Filmkasino Welzheim und schauten sich die Verfilmung des Buches von Terzani „Das Ende ist mein Anfang" an. Zum Filminhalt: Tiziano Terzani rief seinen Sohn aus New York zu sich, um ihm von seiner Kindheit und Jugend zu erzählen, von seiner Tätigkeit und der Reise zu sich selbst aufgrund einer Krebserkrankung, die ihn in die Einsamkeit und geistlicher Erfahrungen führte. In langen und sehr gefühlsvollen Vater-Sohn-Gesprächen festigte sich die Bindung, wurden alte Spannungen aufgelöst, Tabuthemen wie die Auseinandersetzung mit dem Tod angegangen.

An den vielen Rückmeldungen zu diesem Projekt „Friedensgebet und Kino" war zu spüren, dass es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefiel, wie man sich in Wort und Bild gemeinsam dem schwierigen Thema Tod und Sterben, zwischen den Polen, das Sterben eines Kindes und dem Abschied eines alten Mannes, abspielte.

Zudem war es ein besonderes Erlebnis, sich spirituell auf die beiden Filme vorzubereiten, sie in der Gemeinschaft anzuschauen und auf dem Nachhauseweg mit jemandem zu besprechen und zu verarbeiten. Auch kamen so ältere Menschen wieder einmal ins Kino, die sich sonst allein nicht trauen würden.

Eine langjährige Friedensgebetsbesucherin meinte: „ Dank Oscar habe ich keine Angst mehr vor dem Tod" und eine erstmalige Projektbesucherin überlegte sich, deshalb wieder Kontakt zur Kirche zu knüpfen.

 

Zum Schluss der Projektwoche kam der Wunsch nach einer Fortführung auf. Martin Becker ist bereits dabei eine neue Idee zu entwickeln. Er versucht den Film „Von Göttern und Menschen" nach Welzheim zu holen. Er gilt als klügster und schönster Film des Jahres 2010. Hoch ausgezeichnet mit dem großen Preis in Cannes, dem ökumenischen Filmpreis und war ein Sensationserfolg in Frankreich. Der Film zeigt das Leben in einem Kloster in Algerien, der Freundschaft zwischen christlichen Mönchen und einheimischen Dorfbewohnenden. Muslimische Rebellen töten die beliebten Mönche. Ein Film bewegender Nächsten- und Feindesliebe.

Programmvorschau Friedensgebet und Dialog:

07.03.: 9 Uhr, interreligiöses Frauenfrühstück im Dietrich-Bonhoefffer-Haus.

12.03.: 19 Uhr, Adventsfeier schwäbische Gutsle und türkischer Tee, St.-Gallus

Termin wird noch bekannt gegeben: Tagesauflug Stuttgart anders erleben, Besichtigung: Württemberg mit Grabkapelle, Ritter Sport in Waldenbuch, Fernsehturm Stuttgart, Eberhardsdom, Stiftskirche und türksiches Restaurant Stuttgart