Friedensfahrt nach Heilbronn
Welzheim (ek).
Das ökumenische Montags-Friedensgebet und der interreligiöse Dialog
Welzheim haben zusammen die erste Welzheimer Friedensfahrt nach
Heilbronn zu Stätten der Versöhnung unter dem Motto Versöhnung leben –
Grenzen überschreiten.
„Das Interesse an der Fahrt war einfach unglaublich“, erzählte Martin Becker, Beauftragter der A.C.K für das Friedensgebet. „Innerhalb weniger Tage lagen 100 Anmeldungen.“ Und so fuhren zwei Busse mit Menschen aus der katholischen, evangelischen und islamischen Gemeinde von Heilbronn nach Welzheim. Die Stadt Welzheim und die Kreissparkasse Welzheim unterstützen die Friedensfahrt mit einer großzügigen Spende um die vorbildliche Arbeit von Dialog und Friedensgebet zu würdigen.
„Zusammen mit christlichen und muslimischen Menschen einen Ort der Versöhnung, der Geschichte und des von einander Lernens zu führen, das war schon lange ein Wunsch von mir“, führt Martin Becker aus. Bei einem Besuch seiner Eltern kam ihm die Idee: seine Geburtsstadt Heilbronn! Sie wurde im zweiten Weltkrieg, mitten im Winter, kurz vor Kriegsende durch die englische Flugwaffe zerstört. Schon bald nach dem Krieg entstand eine deutsch-englische Partnerschaft um Friedensbrücken zu bauen.
Die Menschen aus Welzheim besuchten während ihres Tagesausfluges ins Unterland die Heilbronner Ehrenhalle. Dort wird der 7.000 Opfer des englischen Luftangriffes auf Heilbronn gedacht. Aufgrund von Fotos, die die Engländer nach dem Krieg zur Verfügung stellen, konnte zur Erinnerung ein Gipsmodell der zerstörten Stadt angefertigt werden.
Danach ging es zu einem Orgelkonzert in die Heilbronner Kilianskirche. Pfarer Andreas Barth-Gebauer begrüßte dort die Gäste aus dem Welzheimer Wald. Diese Kirche wurde beim Bombenangriff völlig zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Der Großvater von Martin Becker war dort als Steinmetz tätig. Dort begegneten die Welzheimer auch der Mutter von Martin Becker, der in dieser Kirche über viele Jahre predigte. Sie überlebte zusammen mit ihren Brüdern und ihrer Mutter die Zerstörung Heilbronns am 04. Dezember 1944. In der Heilbronner Kilianskirche steht ein Nagelkreuz. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die deutsche Luftwaffe das englische Coventry zerstört. Später dann die englische Luftwaffe das deutsche Heilbronn. Aus den Nägeln der Kathedrale in Coventry fertigten englische Christen ein Kreuz und schenkten des der Heilbronner Kilianskirche zum Zeichen der Vergebung und Versöhnung. Jeden Freitag um 12 Uhr wird in Coventry und in Heilbronn ein Vergebungsgebet für den Frieden der Welt gesprochen, das Martin Becker vorlas und eine Türkin übersetzte. Die Heilbronner Alt-Kirchengemeinderätin Martin Pobuda zeigte sich begeistert von dem Besuch: „Noch nie waren so viele Muslima in der Kilianskirche und alle mit so offenen Augen und Gesichtern.“ Frau Elo Holzner sang spontan am Hauptaltar den Choral: „Ich bete an die Macht der Liebe. Der hochgotische Schnitzaltar der Kilianskirche überlebte den Krieg in einem Salzwerkstollen und konnte besichtigt werden, ebenso der Taufstein, der mit Wasser einer Quelle gespeist wird, von der Heilbronn seinen Namen hat. Eine Turmbesteigung folgte. Dann ging es in das katholische Deutschordensmünster St. Peter und Paul. Aus den Trümmern der Kirche wurden der hölzerne Christus und die Madonna geborgen. Sie überstanden den verheerenden Brand des Gotteshauses und werden in Heilbronn deshalb besonders verehrt. Das Ringparabelfenster im Münster mahnt zur Toleranz zwischen den drei großen Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Im Museum vermittelte eine anschauliche Ausstellung ein Bild der Stadt vor der Zerstörung. Auch seltene Bilder während des Bombenangriffes waren zu sehen. Die einen gingen nun shoppen und die anderen in den altehrwürdigen Ratskeller. Dann folgte die Teilnahme der Gruppe aus Welzheim am Nachmittaggebet in der Heilbronner D.I.T.I.B-Moschee. Dort begrüßten der Vorstand, der Imam, die erste Integratiosbeauftragte der Stadt Heilbronn Frau Roswitha Graber, Vertreter der zweiten türkischen Moschee, der katholische Priester Markus Pfeiffer, der evangelischen Pfarrer Andreas Gebauer-Bart sowie Pfarrerin Anna Christ-Friedrich, der syrsich-orthodoxe Gemeindereferent und Vertreter des Heilbronner christlich-islamischen Dialogs die Gäste aus Welzheim. Ein Buffet mit orientalischen Spezialitäten rundeten das Programm in der Moschee ab, das der Welzheimer Moscheenvorstand Herr Tuncay Cetin und Herr Mehmet Köse mit Imam Demir organisiert hatten. Dabei wurde viel miteinander geredet, gefragt und geantwortet. Unvergeßlich der türkische Monscheenkantienwirt. Mit viel Freude und Herzlichkeit präsentierte er seine Speisen. Pfarrerin Dr. Anna Christ-Friedrich, die Ehepartnerin des Heilbronner Dekans Otto Friedrich und die Intergrationsbeauftragte Roswitha Graber informierten sich über den Welzheimer Dialog und waren beeindruckt, dass so viele Menschen aus einer Kleinstadt zusammen aus verschiedenen Religionen unterwegs sind, besonders so viele Frauen. Herr Ferhat Dag vom islamischen Dachverband Heilbronns informierte sich bei Martin Becker über das beeindruckende Programm des Welzheimer Dialogs und eine Gegeneinladung wurde ausgesprochen. Zum Abschluss sprach Imam Demir ein islamisches Tischgebet und Martin Becker ein christliches Abendgebet in der Moscheenkantine.
Auch vier Frauen aus einer Welzheimer Nachbarstadt wären als Gäste dabei und meinte, sie wollen künftig auch Ausflüge wie die Welzheimer machen und Kontakt zur Kirche bekommen. Auf der Heimfahrt bedankte sich Frau Elo Holzner bei allen für die großartige Teilnahme an der Friedensfahrt, den vielen Eindrücken und bei Herrn Martin Becker für die bewegende Fahrt und sein Engagement bei Friedensgebet und Dialog.