Erntebittwanderung
Welzheim (mb).
Der Evangelische Kirchenbezirk Schorndorf hat eine Erntebittwanderung auf dem Welzheimer Wald begangen.
Früher war es üblich, dass Menschen aus der Landwirtschaft sich zu sogenannten Erntebetstunden oder Hagelstunden in den Kirchen versammelten. Sie beteten zu Gott um eine gute Ernte und um Verschonung der Früchte vor Hagelschaden. In Württemberg wurden diese besonderen Gottesdienste nach den verheerenden Hungersnöten vor rund 200 Jahren und nach furchtbaren Unwettern mit Hagelschlag Tradition.
Die katholische Kirche kennt die Ösch- und Flurprozession mit der Bitte um Segen für die Früchte des Feldes, des Waldes und der Wiesen, die noch heute üblich sind.
Die Zeit der Erntebetstunde scheint vorbei zu sein und Hagelstunden kommen kaum noch vor bzw. es hagelt in diesem Jahr ganz anders, aber ziemlich heftig auf die Kirchen ein. Auf jeden Fall fanden immer weniger Menschen zu diesen Angeboten den Weg in die Gotteshäuser. Darum tat es gut, dass die Kirche mit der Erntebittwanderung ein Angebot für die spirituellen Bedürfnisse der Menschen heute anbot: die Erntebittwanderung. Wanden und pilgern ist wieder in Mode gekommen und so versammelten sich Menschen aus den Gemeinden in und um den Welzheimer Wald am Windrad bei Eberhardsweiler und gingen betend, singend und einander zuhörend einen gemeinsamen Weg. Gestaltet wurde die Erntebittwanderung von Mitgliedern des Bezirsk-Arbeitskreises des Evangelischen Bauernwerkes und von Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger.
Pfarrer i. R. Martin Büser begleitete die Gesänge auf seine Gitarre. Die Erntebittwanderung ging Wälder, Felder und Wiesenstücke. Dabei gab es drei Stationen rund um die Themen Landwirtschaft, Wald, Tiere und Pflanzen. Jede Statio wurde von Chorälen, biblischen Impulsen und Gebeten umrahmt. In den Fürbitte wurden Gott um eine gute Ernte, Bewahrung der Erntearbeiten, Schutz vor Unwetter und um Hilfe in den Nöten auf den Bauernhöfen gebeten.
Mitten im Wald war die erste Station. Ein Bienenstock stand symbolisch auf einer Wegkreuzung. Die Imkerin Diana Knödler informierte über die Situation der Bienen. Ein noch nie dagewesenes Bienensterben geht rund um die Welt. Sie mahnte mit Worten Albert Einsteins, dass wenn die Bienen sterben, bald die Menschheit zugrunde geht.
Der nächste Halt war mitten auf den Feldern, bei einer der letzten und wenig gewordenen Feldhecken, die unter Landschaftschutz steht. Ein Tisch mit Wasser veranschaulichte, wie notwendig Lebensmittel sind. Der Landwirt Gerhard Vogel erläuterte den biologischen Landwirtschaftbau und verwies darauf, dass gesunde Kuhmilch aus der Weidewirtschaft keine Allergien hervorrufen würde. Anscheinend ging leider das Bewusstsein für gute Lebensmittel verloren und es geht nur noch um die Produktion von Nahrungsmitteln.
Eine weitere Station befand sich an einem gentechnikfreien Kartoffelacker. Der Landwirt Eberhard Engel sprach über die Bedeutung der Kartoffel für eine gute Ernährung.
Nach der gut zweistündigen Erntebittwanderung bewirteten die Landfrauen mit köstlichem Kuchen und Kaffee am CVJM-Plätzle die Teilnehmenden.
Die Erntebittwanderung war ein wohltuenden zeitgemäßes Angebot der Kirche, das einen lebensnahen Bezug zur Schöpfung darstellte und im weitesten Sinne als Flurprozession einen ökumenischen Bogen spannte.
Zum Abschluss gab es ein Vaterunser und den Segen auf dem CVJM-Plätzle, statt zu den Klängen der Vaterunserglocke zum Pfeiffen der Dampfeisenbahn im nahen Welzheim. Danach bewirteten die Landfrauen mit Kaffee und Kuchen und alle Fußballfans konnten zum Spiel Deutschland - England pünktlich zu Haus sein. Das Opfer der Erntebittwanderung ist für den Notfond des Evangelischen Bauernwerks Württemberg.
Nach diesen schönen Erlebnis einer Erntebittwanderung klangen in mir klangen die Worte Meister Eckhart wider: Jemand mag übers Feld gehen und sein Gebet sprechen und Gott erkennen; oder er mag in der Kirche sein und Gott erkennen. Wenn er deshalb Gott besser erkennt, weil es an einem ruhigen Platz ist, wo er das gewohnt ist, so liegt das an seiner Unzulänglichkeit, nicht an Gott. Denn Gott ist gleich in allen Dingen und an allen Orten und ist bereit, sich gleich zu geben, soweit es an ihm liegt.