Ein Puzzlespiel bei Kaffee und Tee

Welzheim. Man kann den Internationalen Frauentag nutzen, um über die andauernde Benachteiligung von Frauen zu klagen. Oder man lädt eine Referentin ein und versammelt Musliminnen und Christinnen zum gemeinsamen Frühstück im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Welzheim.

Die Frauen, die sich an diesem Morgen zum Frühstück einfinden, werden mit Papier und Stift versorgt und dürfen sich ihren Namen auf Bluse und Pullover kleben. Auch die Sitzordnung hat man kreativ gelöst: Für jeden Tisch gibt es ein Puzzle mit einer bestimmten Farbe auf der Rückseite, und jede Frau zieht, bevor sie Platz nimmt, ein Puzzleteil. So sind Deutsch und Türkisch im besten Fall bunt durcheinander gewürfelt, und wer das Bild zusammensetzen will, muss miteinander reden.

Geredet wird viel, und gelacht auch. Nur Martin Becker, Mitveranstalter des inzwischen vierten interreligiösen Frauenfrühstücks, hat nichts zu lachen. Um neun Uhr will das Mikrofon nicht funktionieren, und die Referentin ist auch noch nicht da. Also gibt es schon einmal frisch gebrühten Kaffee und das Büfett wird eröffnet - ohne Wurstwaren, damit nicht etwas aus Versehen Schweinefleisch dazwischengerät, dafür aber mit viel leckerem Obst, appetitlich angerichteter Rohkost, Brötchen, Kuchen, Quark und Käse.

Seit acht Jahren mit einem Marokkaner verheiratet

Mit viel Geschiebe und Probieren setzt Ümmühan Büber das Puzzle zusammen, es stellt sich als Foto eines antiken Amphitheaters heraus. Sie zeigt Familienbilder; ihre Tochter geht in die siebte Klasse auf dem Gymnasium, ihr Sohn studiert Ökonomie in Mannheim. Zwanzig Jahre hat sie gearbeitet, dann hat die Konjunkturkrise sie ihren Job gekostet. Und dann platzt sie mit einer ungewöhnlichen Frage heraus: Darf der Papst eigentlich heiraten? Nein? Und die anderen christlichen Priester, dürfen die? Nur, wenn sie evangelisch sind. Sie übersetzt für die Frauen, deren Deutsch nicht ausreicht, und staunendes Gekicher läuft rings um den Tisch.

Inzwischen ist Referentin Alexandra Joerger-Marhabi eingetroffen und bereit für ihren Vortrag. Es geht um interreligiöse Ehen, und die hübsche, resolute Frau weiß, wovon sie spricht; sie ist seit acht Jahren mit einem Marokkaner verheiratet. Vier Jahre hat sie in Istanbul an einem Gymnasium unterrichtet, sie und ihr Mann halten beide eine tolerante Geisteshaltung hoch, und doch ist es schwierig, nicht über die Hindernisse eines interreligiösen Alltages zu stolpern. Das sei wie ein Meer, durch das man schwimmen muss, meint Alexandra Joerger-Marhabi, und so manche Ehe sei dabei schon „abgesoffen". Die Referentin des katholischen Bildungswerkes legt Wert auf ihren Glauben, ihr Mann ebenfalls. Irgendwann wird die gemeinsame Tochter Maria Meryem sich entscheiden müssen, und keiner der beiden kann jetzt schon wissen, wofür. Im Dialog muss man bleiben, betont sie, grundsätzliche Fragen schon vor der Hochzeit klären und die Bräuche des anderen stehenlassen können. Wenn sie beispielsweise bei „Sieben Wochen ohne" in der vorösterlichen Fastenzeit auf Süßes verzichtet, meint sie mit einem Lächeln, dann ist das bei ihrem Mann Anlass für Stichelei. Denn im islamischen Fastenmonat Ramadan isst und trinkt der zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang - gar nichts.