Jahresausflug Interreligiöser Dialog
Welzheim (mb).
Das Friedensgebet und der interreligiöse Dialog haben seinen sechsten Jahresausflug von Welzheim in den Großraum Stuttgart unternommen.
Ein Doppeldecker mit 80 Sitzplätzen startete bereits am frühen Morgen in den Großraum Stuttgart unter dem Motto „Stuttgart anders erleben". Der Bus machte dabei einen Schlenker über Pfahlbronn, um einen Blick auf den Hohenstaufen zu werfen. Der große Stauferkaiser Friedrich II unterhielt zu seiner Zeit intensive Kontakt zu muslimischen Gelehrten. Angeblich waren in seinem Regierungssitz die Straßennamen in lateinischer, hebräischer und arabischer Schrift versehen. Dann ging es noch vorbei am Kloster Lorch. Dort ruht die Kaiserin Irene von Byzanz, dem heutigen Istanbul. Danach fuhr der Bus weiter auf den Rotenberg, dem einstigen Stammsitz der Württemberger, zur Besichtigung der Grabkapelle. Die christlichen Teilnehmenden sangen einen Choral und die muslimischen Gäste staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass das Gebäude so erbaut ist, dass ein neunfaches Echo entsteht. Vor dem weißen Marmorsarg König Wilhelm I konnten sich die Muslima davon überzeugen, dass ein schwäbischer Herrscher zusammen mit einer Ausländerin aus dem Zarenreich, noch im Tod vereint sein wollte, in einem gemeinsamen Sarg.
In Waldenbuch besuchte die große interreligiöse Gruppe das Ritter Sport Museum, den reichhaltigen Fabrikverkauf und das Museumscafe. Ein besonderes Erlebnis dabei: heiße Rittersportschokolade zum trinken.
Der Ausflug führte weiter auf den Stuttgarter Fernsehturm. Eine Karte auf der Aussichtsplattform verriet in welcher Richtung Istanbul liegt. Nun ging es mitten in den Trubel der schwäbischen Metropole. Für Unterhaltung sorgten dabei die Anekdoten und möglichen Geschichten zu den einzelnen historischen Plätzen abseits der Königsstraße. Die Gruppe konnte den Thron des katholischen Bischofs im St. Eberhardsdom bestaunen und erfahren, dass die Kirche aus den Steinen eines alten Gotteshauses von der Solitude erstanden ist. Typisch schwäbisch, dachte sich so manchen. Oder, dass der württembergische König Wilhelm II eine Kopie des Pavillons auf den Schlossplatz aus Liebe zum Orient dem Sultan von Istanbul schenkte. Oder dass das Silberglöckle auf dem Turm der Stiftskirche einer Prinzessin den Weg nach Hause wies, als diese sich einst in einem Wald um Stuttgart verirrte, oder dass das Hutzelmännle nachts heimlich die Kehrwoche erledigt. Eine Muslima scherzte, ob das Hutzelmännle wohl auch bei Ihnen vorbei kommen könne. Im Innenhof des alten Schlosses konnte Eberhard im Barte bestaunt werden, der angeblich für das Entstehen der Bretzel verantwortlich ist und sich nach einer Pilgerfahrt nach Jerusalem nie mehr den Bart rasierte. In der Stiftskirche bestaunte die Gruppe die Stifter- und Herrscherdenkmäler. Die muslimischen Jugendlichen und Kinder stellten viele Fragen zur Kirche und deren Symbole. Vor allem wollten sie wissen warum die Menschen auf den Bildern in der Stiftskirche immer so streng schauen und ob es in der Kirche nichts zu lachen gibt. Als Antwort erfuhren sie, dass die Stiftskirche im zweiten Weltkrieg zerstört wurde und die Menschen nach dem Wiederaufbau Bilder in die Kirche brachten, die zum Nachdenken anregen sollen, angesichts des vielen Leids und Elends, das der Krieg verursacht hatte. Den Männern und Frauen war damals nicht nach Lachen zumute.
Ein krönender Abschluss war dann noch ein meisterhaftes Abendessen in einem türkischen Restaurant mitten in der Königsstraße. Beeindruckt waren alle von der großen Wissbegierde der Muslima und der großartigen Disziplin der gesamten Gruppe bei einem solch umfangreichen Programm. Wie immer wurde der Ruf nach weiteren Ausflügen und Begegnungen laut. Am 6. Juni wird nach dem 19-Uhr-Friedensgebet um 20 Uhr im Welzheimer Filmcasino der preisgekrönte Film „Von Menschen und Göttern" gezeigt. Am 12. September wird um 19 Uhr zum 10. Jahrestag des 11. September ein Friedensgebet mit dem katholischen Kirchenchor in St. Gallus sein und anschließend ein Besuch der Welzheimer Moschee. Regelmäßig findet immer vormittags in der AWO jeden Dienstag ein interkulturelles Sprachcafe für Frauen statt.