Adventsfeier Friedensgebet

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Das Friedensgebet hat den ersten Advent mit einer Feier im Kirchcaféraum der St.-Gallus-Kirche gefeiert.

Bilderbuchstimmung herrschte um das Welzheimer Gotteshaus. Eine kalte und dunkle Nacht, dazu Schnee und überall leuchtende Weihnachtslichter. Doch ausgerechnet in der Kirche herrschte eine gesprächige Stimmung wie auf einem bunten orientalischen Bazar. Dazwischen Frauen mit farbigen Kopftüchern und große Backblechen voller Köstlichkeiten und unzählige Friedensgebetsbesucherinnen mit Dosen voller selbst gebackener Gutsle. Ein buntes internationales und interreligiöses ungewöhnliches Völkchen hatte sich dort getroffen. Versammelt und ein Buffet mit herrlichstem Gebäck aus dem Abend- und Morgenland.

Das Welzheimer Friedensgebet ist eines der größten und aktivsten, insbesondere in Punkto interreligiöser Dialog, der gesamten Landeskirche. Über 150 Menschen fanden an diesem Montagabend in die St-Gallus-Kirche. „In den großen Stuttgarter Kirchen sitzen ja sonntags gerade mal 25 Leute im Gottesdienst und hier treffe ich an einem Montag Abend das fast siebenfache“, meinte ein auswärtiger Besucher überrascht und begeistert. „Eine solche Stimmung hätte er noch nie erlebt. Dazu diese unterschiedlichsten Menschen. Ein Friedensgebet das so verbindet und Brücken schlägt sei einzigartig in der Landeskirche.“ Dies hört der Friedensgebetsbeauftragte Martin Becker auch immer wieder auf landeskirchlichen Veranstaltungen als Rückmeldung, wenn er dort von den Welzheimer Erfahrungen berichtet.

An diesem Abend waren Besucherinnen und Besucher aus dem Remstal und bis in den Großraum Stuttgart hinein gekommen, um die besondere Atmosphäre des Welzheimer Friedensgebets selbst zu erleben. Kommentare wie „einmalig“, „so etwas gibt es nirgends innerhalb ganz Württembergs“, „eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung mit Vorbildcharakter“ waren zu hören.

Und warum? Allein die Mischung der Anwesenden war nicht alltäglich. Evangelische, dazu aus den unterschiedlichsten Gruppierungen,  katholische, methodistische, konfessionslose, ungetaufte, aus der Kirche ausgetretene, ein muslimischer Mensch aus Syrien, der Bürgermeister, Bewohner einer Einrichtung für Blinde und muslimische Menschen wurden gemeinsam mucksmäuschenstill als die Glocken der Kirchen zu läuten begannen, Frau Eleonore Holzner ein Adventslied, begleitet von Frau Dorothea Kimmerle an der Orgel anstimmte und unter feierlichen Gebeten die Altarleuchter entzündet, es hell in der Kirche wurde und diese ungewöhnliche Gemeinde Adventslieder anstimmte.

Menschen aus den Kirchen und der Moschee saßen in andächtiger Stille beieinander lauschten den Worte aus dem Evangelium und reichten einander ein Friedenslicht. Dabei herrschte bewegende Stille. Etwas war spürbar von der Vorbereitung auf das Fest der Liebe und des Weihnachtsfriedens. Obwohl viele bestimmt an diesem Abend noch die Bilder von den schrecklichen Attentaten in Bombay in sich trugen und für deren Opfer gebetet wurde. „Wir können einander nicht immer vollkommen verstehen. Aber wir können versuchen einander vollkommen zu lieben“, mit diesem Zitat aus dem Film „In der Mitte entspringt ein Fluss“ endete eine Kurzansprache.

Noch bis lang in die Nacht saßen die Menschen bei türkischem Tee, den muslimische Mitbürgerinnen in einem original orientalischen Samowar bereitet hatten und bei schwäbischen Gutsle zusammen redeten, lachten, tauschten Kochrezepte und Adressen aus und knüpften neue Freundschaften.  Die muslimischen Frauen des Vorbereitungskreises des interreligiösen Dialogs schenkten Bürgermeister Helmut Holzner glitzernde Strohsterne. Zum Abschluss konnten die türkischen Frauen den Kirchturm besteigen und das nächtliche Welzheim im Weihnachtszauber bestaunen. Der Klingelton eines türkischen Jungen, der mit auf  dem Kirchturm stand holte sie dann wieder in die Realität zurück: „Hallo, hier Ahmet“, der Spruch eines türkischen Komikers ertönte aus dem Handy auf dem Kirchturm.